Fachkräftemangel in Österreich
Damit müssen wir zurechtkommen

Die österreichische Gebäudetechnikbranche steht unter Druck: Projekte werden auf unbestimmte Zeit verschoben, der Preisdruck steigt und in vielen Unternehmen fehlen die Fachkräfte. Die Folge? Aufgaben werden zunehmend an die Industrie ausgelagert: Was früher mit technischer Beratung funktioniert hat, verlangt heute bereits bei der Planung intensive Unterstützung. Im Gespräch mit HERZ News spricht Helmut Veigl, HERZ Verkaufsleiter Österreich, über die Realität am Markt, den entstehenden Wandel im Außendienst und warum technische Kompetenz heute entscheidender ist als je zuvor.

HERZ News: Herr Veigl, wie erleben Sie die aktuelle Situation am österreichischen Markt?

Helmut Veigl: Der Druck ist massiv gestiegen. Es gibt weniger Projekte und gleichzeitig kämpfen mehr Unternehmen um dieselben Aufträge. Heute bieten große Unternehmen auf kleinere Projekte, während kleinere Betriebe zunehmend auch bei größeren Anlagen mitbieten. Früher war das oft klar aufgeteilt. Der Kuchen wird nicht größer, aber immer mehr wollen ein Stück davon. Dadurch ist der Wettbewerb intensiver geworden und der Preisdruck enorm gestiegen.

HERZ News: Wie zeigt sich dieser Druck konkret in der Praxis?

Helmut Veigl: Vor allem bei größeren Projekten sieht man die Auswirkungen sehr stark. Kleinere Betriebe können oft aggressiver kalkulieren, weil sie geringere Fixkosten haben. Das Problem beginnt aber häufig erst nach der Vergabe. Manche gewinnen Projekte, die personell kaum stemmbar sind. Dadurch müssen kurzfristig Subunternehmen organisiert oder Arbeit ausgelagert werden. Das erzeugt zusätzlichen Druck in der gesamten Kette.

HERZ News: Gleichzeitig hört man oft, dass viele Projekte zwar geplant, aber nicht umgesetzt werden. Welche Auswirkungen hat dies für ein Industrieunternehmen wie HERZ?

Helmut Veigl: Genau das erleben wir spürbar stark seit Anfang des Jahres. An den Projektanfragen scheitert es zwar nicht, an der tatsächlichen Projektumsetzung jedoch schon. Projekte werden auf unbestimmte Zeit verschoben. Für die Industrie, den Großhandel und Installateure wird die langfristige Planung dadurch extrem erschwert. Früher wurden ganze Wohnanlagen auf einmal gebaut. Heute werden Bauabschnitte massiv verkleinert und oft erst weitergeführt, wenn bereits Einheiten verkauft sind.

HERZ News: Wie geht HERZ mit dieser Unplanbarkeit um?

Helmut Veigl: Wir investieren bewusst in technische Beratung und Unterstützung. Unser Team begleitet Projekte teilweise bereits in der Planungsphase - gemeinsam mit Planern, Anlagenbauern oder Installateuren. Die technische Tiefe der Gespräche hat sich komplett verändert. Kunden wollen nicht nur wissen, welche Produkte es gibt und wie viel diese kosten, sondern was sie langfristig bringen. Wir reden über Energieeffizienz, hydraulischen Abgleich, langfristige Einsparungen und Systemoptimierungen.

HERZ News: Warum ist die technische Beratung viel wichtiger als je zuvor?

Helmut Veigl: Weil der Fachkräftemangel anderer Unternehmen zunehmend bei der Industrie landet. Viele Unternehmen haben aufgrund von Sparmaßnahmen ihre technischen Kapazitäten reduziert oder finden schlicht keine Fachkräfte mehr. Dadurch wird immer mehr Arbeit an die Industrie ausgelagert.

HERZ News: Inwiefern haben sich die Anforderungen an den Vertrieb aufgrund dessen verändert?

Helmut Veigl: Früher fuhr der Außendienst zum Kunden, um Produktneuheiten zu präsentieren oder produktspezifische Unterstützung zu leisten. Heute bekommen wir komplette Gebäudepläne zugeschickt, um ganze Heizsysteme auszulegen. Es werden fertige Lösungen inklusive Berechnungen und optimaler Systemeinstellungen erwartet.

HERZ News: Wie reagiert HERZ auf diesen Wandel?

Helmut Veigl: Wir verstärken unsere Unterstützung entlang des gesamten Planungsprozesses - sowohl digital als auch durch verstärkte persönliche Beratung. Bereits seit Längerem bieten wir Installateuren und Planern die digitale Planungssoftware HERZ PROplan an. Die Software ermöglicht die einfache Auslegung von Flächenheizungs- und Radiatorsystemen sowie Trinkwasserinstallationen und übernimmt dabei auch die thermische Gebäudeberechnung. Auf der anderen Seite bauen wir unser Vertriebsteam aktuell weiter aus und suchen gezielt technisch ausgebildete Gebäudetechnik- und Planungsberater.

HERZ News: Welche Qualifikationen braucht es dafür?

Helmut Veigl: Gesucht werden Persönlichkeiten mit Verständnis für Gebäudetechnik und technische Systemlösungen - etwa aus einer HTL, einem Planungsbüro oder direkt aus dem Installationsbereich. Natürlich gehört Kommunikationsstärke auch dazu, aber reine Verkaufskompetenz alleine reicht heute nicht mehr aus.

HERZ News: Bedeutet das auch neue Chancen für Quereinsteiger oder junge Fachkräfte?

Helmut Veigl: Definitiv. Wer heute im Außendienst arbeiten will, muss technisch stark aufgestellt sein und auf Augenhöhe mit Planern und Anlagenbauern sprechen können. Der Rest kommt von alleine. Besonders interessant ist das Feld auch für Fachkräfte, die sich neu orientieren und ihre technische Erfahrung in einem anderen Umfeld einbringen möchten.

HERZ News: Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern, damit die Branche langfristig stabil bleibt?

Helmut Veigl: Mehr Zusammenarbeit. Der Druck ist überall hoch - bei Herstellern, Großhandel, Planern und Installateuren. Langfristig wird es nur funktionieren, wenn wieder stärker miteinander gearbeitet wird, statt gegeneinander über den Preis.

HERZ News: Herr Veigl, vielen Dank für die klaren Worte und die offenen Einblicke in den österreichischen Markt.

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