Polen gehört heute zu den dynamischsten Industriestandorten Europas – doch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ist eng mit einer Geschichte verbunden, die von Brüchen und Neuanfängen geprägt ist. Durch das kontinuierliche Wachstum hat sich ein Markt entwickelt, der von starkem Wettbewerb, internationalem Druck und gleichzeitig hoher industrieller Kompetenz geprägt ist. Genau in diesem Umfeld hat sich HERZ mit seinem Standort in Wieliczka seit Jahrzehnten erfolgreich etabliert.
Es gibt nur wenige Länder in Europa, deren Geschichte so außergewöhnlich ist wie die von Polen. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Land zwischen Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt und verschwand für 123 Jahre vollständig von der Landkarte. Grund dafür war das historische Instrument im polnisch-litauischen Adelsparlament (dem Sejm) - das sogenannte Liberum Veto, was auf Latein für "freies Veto" steht. Das Liberum Veto erlaubte einem einzigen Abgeordneten, mit seinem Einspruch eine Parlamentssitzung sofort abzubrechen oder bereits gefasste Beschlüsse für ungültig zu erklären. Was als demokratisches Kontrollinstrument begann, führte zu einer extremen politischen Lähmung, wodurch der Staat handlungsunfähig wurde. Dies wurde von den ausländischen Mächten, insbesondere Russland und Preußen, ausgenutzt. Sie bestachen polnische Adelige im Parlament, um Reformen in Polen zu verhindern, was des Weiteren auch zum Niedergang der Adelsrepublik beitrug.
Eine gewisse Parallele zu diesem politischen Mechanismus lässt sich heute im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erkennen. Die fünf ständigen Mitglieder – USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich – verfügen dort über ein Vetorecht. Dieses kann internationale Entscheidungen verhindern, wenn die Interessen der beteiligten Großmächte auseinandergehen.

Trotz Fremdherrschaft und politischer Unterdrückung bewahrten die Polen jedoch ihre Sprache, Kultur und nationale Identität. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kehrte Polen 1918 als unabhängiger Staat auf die Landkarte Europas zurück. Die darauf folgenden Jahrzehnte waren von Krieg, Besatzung und politischen Umbrüchen geprägt, doch das Land bewahrte seine Identität und entwickelte sich nach 1989 zu einer der dynamischsten Volkswirtschaften Europas.
Die Spuren dieser langen Geschichte finden sich bis heute an vielen Orten des Landes. Einer der bekanntesten ist Wieliczka, südöstlich von Krakau, dessen Salzbergwerk seit Jahrhunderten eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung Polens verbunden ist. Im Salzbergwerk Wieliczka - das zu den ältesten Europas zählt - wurde bereits seit dem 13. Jahrhundert Salz gefördert. Damals war Salz weit mehr als ein gewöhnliches Gewürz: Es wurde zur Konservierung von Lebensmitteln benötigt und galt als einer der wertvollsten Rohstoffe seiner Zeit. Nicht umsonst sprach man vom „weißen Gold“. Die Einnahmen aus dem Salzbergbau trugen über Jahrhunderte wesentlich zum Wohlstand des Königreichs Polen bei.
Heute gehört das Salzbergwerk Wieliczka zum UNESCO-Weltkulturerbe und zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Landes. Tief unter der Erde erstrecken sich kilometerlange Stollen, unterirdische Seen sowie kunstvoll aus Salz geschaffene Kammern und Skulpturen – ein beeindruckendes Zeugnis europäischer Industrie- und Bergbaugeschichte. Zugleich bilden sie eine außergewöhnliche Bühne für kulturelle Veranstaltungen, die heute hunderte Meter unter der Erde stattfinden.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine wurde Polen aufgrund seiner geografischen Lage sowie seine NATO-Mitgliedschaft zum wichtigsten militärischen und logistischen Knotenpunkt für die Unterstützung der Ukraine. Etwa 95 % aller internationalen Militär- und Hilfslieferungen werden über den Flughafen Rzeszów-Jasionka abgewickelt. Dadurch hat das Land sein politisches Gewicht in Europa auch massiv angehoben. Zudem ist Polen die größte Volkswirtschaft in der CEE-Region (Mittel- und Osteuropa) mit stabilem Wachstum. Dies wird offiziell durch die Angaben der WKO bestätigt. Die Standortqualität des Landes hat viele Mitbewerber von HERZ aus Großbritannien, Skandinavien und Österreich dazu veranlasst, in Polen zu produzieren.
Die HERZ Gruppe hat 4 Standorte in Polen. Das Land zählt zu den größten Auslandsmärkten der Gruppe. Neben den drei Standorten von HIRSCH Servo (Global Player in der Partikelschaumindustrie und Konzerngesellschaft der HERZ Gruppe) befindet sich auch eine HERZ Niederlassung in Polen, Wieliczka, mit einem Produktionsstandort. Bereits kurz nach den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen des Landes wurde die HERZ Niederlassung im Jahr 1990 in Polen gegründet und legte damit den Grundstein für eine langfristige Entwicklung auf dem polnischen Markt. Seither hat sich HERZ Polen zu einem wichtigen Partner für Großhandel, Planer und Installateure entwickelt.
Zudem profitiert HERZ Polen von der strategischen Lage Polens im Zentrum Europas und seiner Rolle als wichtiger Industrie- und Logistikstandort. Mit dem kontinuierlichen Wachstum wurden die Produktionskapazitäten mehrfach erweitert: 2003 entstand die erste Produktionshalle für Montage- und Schweißarbeiten. 2008 folgte eine weitere Erweiterung zur Vergrößerung der Montage- und Armaturenfertigung. Zuletzt wurde im Jahr 2020 die moderne und automatisierte Produktionshalle errichtet und sämtliche Montageaktivitäten an einem Standort gebündelt.

Krakau war einst die Königsstadt und ist bis heute die kulturelle Hauptstadt Polens sowie einer der bedeutendsten Hochschulstandorte Europas. Die Jagiellonen-Universität, die Technische Universität AGH und die Krakauer Polytechnik ziehen aus dem In- und Ausland Studenten an. Aus diesem starken akademischen Umfeld rekrutiert sich ein großer Teil der qualifizierten Fachkräfte der Region. "Die Gebäudetechnik hat in Polen seit vielen Jahren einen festen Platz an Universitäten und technischen Hochschulen. Deshalb treffen wir in vielen Bereichen auf Mitarbeiter mit einer fundierten technischen Ausbildung – vom Außendienst über die Planung bis hin zur Produktion. Dieses Fachwissen ist ein wichtiger Faktor für die Entwicklung unseres Standorts", sagt Gerhard Glinzerer, CEO der HERZ Gruppe.
Die automatisierte Produktions- und Montagestätte in Wieliczka wurde von den eigenen HERZ Mitarbeitern entwickelt und aufgebaut. Das Fundament bildet dabei eine stabile, über Jahre eingespielte Belegschaft – und mit ihr ein über die Zeit gewachsenes Verständnis der Produkte und Prozesse. "Wir kennen unsere Produkte. Deshalb wurden die automatisierten Montagelinien wie beispielsweise für Thermostatköpfe von unseren eigenen Ingenieuren konstruiert und von unserem erfahrenen Mechanikerteam gebaut“, erklärt Grzegorz Czyżowski, Leiter der Automatisierungsabteilung von HERZ Polen.
Auf zwei Ebenen werden hier Komponenten montiert, geprüft, etikettiert und für den Versand vorbereitet. Jede Armatur wird einzeln geprüft, anstatt lediglich stichprobenartige Kontrollen durchzuführen. Dadurch wird sichergestellt, dass nur Produkte das Werk verlassen, die den hohen Qualitätsanforderungen entsprechen.
Was ursprünglich für die eigenen Produktionsprozesse entwickelt wurde, hat sich schnell zu einem eigenen Geschäftsbereich entwickelt: HERZ Automation stellt sein Wissen heute auch anderen Industrieunternehmen zur Verfügung.
Zum Standort gehören außerdem eine eigene Schweißerei und Lackierung. Hier werden Komponenten für Kesselanlagen von HERZ Energietechnik und BINDER Energietechnik gefertigt. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Qualitätssicherung: Die Schweißerei verfügt über eine ASME-Zertifizierung – einen international anerkannten Qualitätsstandard für die Herstellung und Prüfung druckführenden Komponenten, der insbesondere für Projekte in Nordamerika von großer Bedeutung ist. Damit erfüllt der Standort Anforderungen, die weltweit nur von entsprechend qualifizierten Betrieben nachgewiesen werden können.

Der polnische Markt ist durch ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum geprägt, das einen intensiven Wettbewerb zwischen internationalen Industrieherstellern mit sich bringt. Das Fehlen eines stabilen Schutzes für die heimische Industrie erzeugt erheblichen Druck am Markt. „Die in vielen westeuropäischen Ländern seit Langem etablierte Kultur des industriellen Patriotismus beginnt in Polen erst langsam an Bedeutung zu gewinnen“, so Piotr Skudlarski, Geschäftsführer HERZ Polen.
HERZ agiert in Polen als europäische Premiummarke im oberen Marktsegment. „Obwohl unsere Produkte preislich höher angesiedelt sind, werden sie durch ihre Zuverlässigkeit und Langlebigkeit im täglichen Einsatz bestätigt – insbesondere in Zeiten zunehmender Importe aus Asien“, erklärt Skudlarski. Im vergangenen Jahr verzeichnete HERZ Polen ein deutliches Umsatzwachstum insbesondere in den Bereichen Trinkwasserarmaturen, Regel- und Regulierventile sowie Rohre und Fittings. Auch die Kesselanlagen von BINDER für Fernwärme, industrielle Anwendungen und öffentliche Gebäude sind auf starkes Interesse gestoßen.
Mit mehr als 100 installierten Anlagen zählt BINDER heute zu den etablierten Anbietern von Biomassekesseln in Polen. Seit rund drei Jahrzehnten versorgen BINDER Anlagen zahlreiche Betriebe der Holz- und Möbelindustrie zuverlässig mit Wärme. Gleichzeitig gewinnt BINDER auch im Bereich der kommunalen Fernwärme zunehmend an Bedeutung, da viele Städte und Gemeinden ihre Wärmeerzeugung schrittweise von Kohle auf erneuerbare Energieträger umstellen. „Biomasse in einem Heizwerk – das bedeutet Unabhängigkeit: Vom Wetter, von den Brennstoffpreisen und davon, was die Großen dieser Welt an einem bestimmten Tag gerade beschließen“, erklärt Piotr Skudlarski.
Ein beeindruckendes Beispiel für die Stabilität und Ausdauer der BINDER Anlagen liefert das familiengeführte Sägewerk Kleniewski in Bondyrz. Das Unternehmen verarbeitet jährlich rund 12.000 m³ Holz wovon knapp 40 % in einen der größten Trocknungskomplexe Polens gelangen. Bereits 1996 wurde am Standort ein BINDER Kessel mit 3 MW Leistung installiert. Nach rund zwanzig Jahren Betrieb wurde die Anlage innerhalb des Unternehmens an einen zweiten Standort verlegt, wo sie bis heute weiterhin zuverlässig im Einsatz ist. Die Wärmeversorgung am Hauptstandort wurde parallel durch eine neue BINDER Anlage für feuchte Biomasse ergänzt, die seit 2016 in Betrieb ist. Dadurch kann das Unternehmen kostengünstige Eichenrinde energetisch nutzen, während höherwertige Sägespäne und Hackschnitzel verkauft werden. „Der Kessel erlaubt uns, das zu verbrennen, was am wenigsten wert ist, und das zu verkaufen, was am meisten wert ist“, sagt Geschäftsführer des Sägewerks Waldemar Kleniewski.

Auch im kommunalen Bereich wächst die Bedeutung von Biomasse. In der Stadt Łańcut im Südosten Polens mit knapp 20.000 Einwohnern wurde 2026 ein BINDER Kessel für feuchte Waldbiomasse mit 2,5 MW Leistung installiert. Nach der Inbetriebnahme wird mehr als die Hälfte der Fernwärme aus erneuerbaren Energiequellen und Kraft-Wärme-Kopplung stammen. Für niedrige Emissionen sorgt ein Elektrofilter.
Bereits zuvor wurde in Brzeg ein 6-MW-BINDER-Biomassekessel erfolgreich in Betrieb genommen. Für viele Gemeinden ist dies nicht nur ein Beitrag zur Reduktion von Emissionen, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor: Wärme aus Biomasse kann deutlich günstiger erzeugt werden als Wärme aus Kohle – ein Vorteil, der letztlich den Bürgern zugutekommt.
Anstatt blutige Kriege zu führen, vergrößerten die Habsburger ihr Herrschaftsgebiet ab dem späten 15. Jahrhundert durch geschickte dynastische Verbindungen. Die historische Beziehung zwischen Österreich und Polen wurde vor allem dadurch geprägt. Einen wichtigen Ausgangspunkt bildet die Ehe von Herzog Ernst dem Eisernen, auch bekannt als der Stammvater seiner Dynastie, aus der steirischen Habsburgerlinie mit Cymburgis von Masowien, einer polnischen Piast-Prinzessin. Aus dieser Ehe ging neben acht weiteren Kindern auch Friedrich III. hervor, der später Kaiser des Heiligen Römischen Reiches wurde und die Macht der Habsburger nachhaltig festigte.
Sein Sohn Maximilian I., bekannt als der „letzte Ritter“, perfektionierte jene Heiratspolitik: Bei dem Wiener Fürstentag von 1515 vereinbarten Maximilian I. und die Herrscher der Jagiellonen-Dynastie mehrere Heiratsverbindungen, getragen von ihrer gemeinsamen katholischen Prägung. Die Jagiellonen herrschten damals über Polen, Litauen, Böhmen und Ungarn und gehörten zu den mächtigsten Dynastien Europas. Als König Ludwig II. von Böhmen und Ungarn 1526 in der Schlacht bei Mohács gegen die Osmanen fiel, ohne einen Erben zu hinterlassen, erlosch die männliche Linie der Jagiellonen in seiner Region. Durch die zuvor geschlossenen Heiratsverträge gingen große Teile dessen an die Habsburger über.
Damit verschob sich das Machtzentrum Mitteleuropas nachhaltig und das Haus Habsburg konnte seine Stellung als europäische Großmacht entscheidend ausbauen.
Erfahren Sie mehr über BINDER Energietechnik: https://www.binder-gmbh.at/