Zwischen Eis und Bürokratie

Eissalon Tichy

Seit Jahrzehnten gehört der Familienbetrieb Eissalon Tichy im 10. Wiener Gemeindebezirk zu den bekanntesten Adressen der Stadt, wenn es ums Eis geht – nicht nur für Wiener, sondern längst auch für Gäste aus aller Welt. Was viele jedoch nicht sehen: Hinter den ikonischen Eisbechern, den langen Schlangen an Feiertagen und dem nostalgischen Charme steckt ein moderner Produktionsbetrieb mit großem technischem Aufwand, klaren Qualitätsansprüchen und einer Familiengeschichte, die bis heute spürbar ist. Xenia Tichy führt den traditionsreichen Eissalon in dritter Generation und spricht mit HERZ News offen über die Herausforderungen österreichischer Betriebe, Kühlung als Kostentreiber und darüber, warum echtes Handwerk heute wichtiger denn je ist.

 

 

Seit 1952 steht der Name Tichy für Wiener Eiskultur. Was einst mit einem dreirädrigen Eiswagen und fünf Eissorten begann, entwickelte sich nur wenige Jahre später zu einem festen Standort im zehnten Wiener Gemeindebezirk, wo der Eissalon seit 1955 beheimatet ist. Über Jahrzehnte hinweg entstand daraus ein Traditionsbetrieb mit Kultstatus, der heute rund 70 Mitarbeiter beschäftigt. Produziert wird bis heute direkt am Reumannplatz – frisch, täglich und ohne ausgelagerte Fertigung.

Auch bei den Eisboxen setzt Tichy auf österreichische Qualität und Verlässlichkeit: Die Styropor Eisboxen mit hoher Isolierwirkung werden von der HIRSCH Porozell GmbH produziert, einem Unternehmen der HIRSCH Servo Gruppe, die mehrheitlich zur HERZ Gruppe gehört. Verwendet wird das nachhaltige Material EPS - expandiertes Polystyrol, bekannt unter den Markennamen Porozell oder Styropor. Nach Gebrauch können die Eisboxen über den Gelben Sack zu 100 % recycelt werden. Bei HIRSCH entsteht daraus wieder ein Recyclingrohstoff, der erneut für die Herstellung von EPS-Produkten eingesetzt wird – ein funktionierender Wertstoffkreislauf. Die Zusammenarbeit zwischen Tichy und HIRSCH Porozell besteht erfolgreich seit vielen Jahrzehnten und verbindet zwei österreichische Traditionsunternehmen, die denselben Anspruch teilen: Qualität, Beständigkeit und Weiterentwicklung.

HERZ News: Frau Tichy, Sie sind im Familienbetrieb aufgewachsen. War für Sie immer klar, dass Sie diesen Weg gehen?

Xenia Tichy: Eigentlich gar nicht. Meine Eltern wollten, dass ich zuerst eine breite Ausbildung mache und haben mich aufs Gymnasium geschickt. Ich habe relativ schnell gemerkt, dass ich kein Typ fürs reine Sitzen und Auswendiglernen bin. So habe ich dann bewusst in die Gastronomie gewechselt, in eine dreijährige Fachschule. Danach habe ich noch die Konditorausbildung drangehängt – Gesellenprüfung, später Meister.

HERZ News: Der zehnte Bezirk bekommt medial nicht immer den besten Ruf. Wie kam es damals eigentlich zum Standort am Reumannplatz?

Xenia Tichy: Der zehnte Bezirk hat viel mehr zu bieten als schlechte Schlagzeilen. Natürlich freut es uns, wenn Tichy dazu beiträgt, dass dieser Bezirk auch mit positiven Erlebnissen verbunden wird. Mein Großvater ist selbst im zehnten Bezirk aufgewachsen und hat sich dieser Gegend immer verbunden gefühlt. Ursprünglich war das hier wirklich nur ein kleines Eislokal mit einem Verkaufsbereich vorne. Mein Großvater hat Schritt für Schritt weitere Teile der Immobilie übernommen und daraus ist langsam der heutige Betrieb entstanden.

HERZ News: Eis ist traditionell stark italienisch geprägt. Wie ist es gelungen, daraus eine echte Wiener Eis-Marke zu machen?

Xenia Tichy: Meine Großeltern haben immer erzählt, dass es früher hieß „Nur Italiener können Eis machen". Sie haben damals sogar einige italienische Begriffe gelernt, um bei Kundengesprächen glaubwürdiger zu wirken (lacht). Irgendwann haben sie aber ganz bewusst gesagt: Nein, wir sind Wiener, die Eis machen - und genau daraus ist unser eigener Stil entstanden. Unser Eis ist stark von der Konditorei inspiriert – vollmundig, hochwertig und mit natürlichen Zutaten. Wer Tichy kennt, erkennt diesen Geschmack sofort wieder.

HERZ News: Wie schaffen Sie die Mischung aus Nostalgie und Moderne im Gleichgewicht zu halten?

Xenia Tichy: Ich glaube, man darf so einen traditionsreichen Betrieb nicht von heute auf morgen komplett modernisieren. Dieses nostalgische Flair macht Tichy aus. Modernisierung passiert bei uns deshalb oft eher hinter den Kulissen – neue Kühlsysteme, energieeffiziente Technik, Wärmepumpen und nachhaltigere Materialien wie die EPS-Eisboxen. Sichtbar soll weiterhin dieses vertraute Tichy-Gefühl bleiben.

HERZ News: Gerade in einem Betrieb mit enormem Kühlbedarf ist es essenziell, energieeffiziente Produktionsprozesse zu befolgen. Welche Maßnahmen setzen Sie dafür ein?

Xenia Tichy: Wir betreiben eine richtige Eisproduktion mitten in der Stadt. Wir haben vier große Kühlhäuser, das größte hat rund 70 Quadratmeter. Wenn irgendwo Kühlverluste entstehen oder Anlagen nicht effizient arbeiten, merkt man das sofort beim Energieverbrauch. Deshalb fließt im Winter, wenn der Betrieb geschlossen ist, unglaublich viel Arbeit in Wartung und technische Optimierung. Aktuell arbeiten wir mit Wärmepumpen - einerseits wegen der Effizienz, andererseits aber auch, weil wir die entstehende Abwärme sinnvoll nutzen können.

HERZ News: Können Sie dies näher erläutern?

Xenia Tichy: Wir nutzen mehrere Wasserkessel, die mit einer Wärmepumpe erhitzt werden. Gerade im Kellerbereich mit vielen Maschinen wird es extrem heiß. Mit der Wärmepumpe haben wir jetzt einen doppelten Effekt: Wir kühlen den Raum und nutzen gleichzeitig die Abwärme, um Wasser in den Kesseln zu erhitzen. Das ist ein echtes Win-win-System, wodurch wir uns natürlich viel Energiekosten sparen. Früher hatten wir eine Gastherme.

HERZ News: Inwiefern betrifft Sie als Saisonbetrieb die Thematik des Fachkräftemangels?

Xenia Tichy: Wir beschäftigen rund 70 Mitarbeiter. Gerade im Saisonbetrieb ist es nicht selbstverständlich, dass Saisonarbeiter jedes Jahr wiederkommen, aber wir können uns hier wirklich glücklich schätzen, da bei uns viele wiederkommen. Dennoch finde ich es wichtig, dass man beim Thema Fachkräftemangel ehrlich bleiben soll. Die Gastronomie schleppt von früher den Ruf der schlechten Arbeitsbedingungen - überlange Arbeitszeiten, öfters verschobene freie Tage oder ein unangenehmer Umgangston. Junge Menschen akzeptieren das heute nicht mehr und das finde ich auch gut so.

HERZ News: Über die junge Generation wird grundsätzlich sehr kritisch gesprochen. Sie sehen das also anders?

Xenia Tichy: Ich halte nichts davon, alle über einen Kamm zu scheren. Ich glaube, dass junge Menschen heutzutage stärker hinterfragen, ob sie in einem Beruf wirklich glücklich sind und das finde ich absolut legitim. Arbeit muss Freude machen und jeder soll seinen eigenen Weg finden, ob dieser über Studium oder Handwerk führt sei dahingestellt. Gerade in Zeiten von Digitalisierung und KI erkennen aus meiner Sicht viele wieder den Wert des Handwerks.

HERZ News: Als ein österreichischer Familienbetrieb, wie stark spüren Sie die immer zunehmende Bürokratie und den organisatorischen Aufwand?

Xenia Tichy: Sehr stark. Man braucht alleine für die Verwaltung deutlich mehr Mitarbeiter als früher. Da hatten es meine Großeltern deutlich leichter, die jahrelang keinen Kontrolleur gesehen haben (lacht). Heute werden die Anforderungen und Vorschriften ständig mehr, gleichzeitig fehlen den Unternehmen jedoch Anlaufstellen, die klar und verständlich die neuen Verordnungen erklären können. Die Vorgabe wird gegeben, wie sie jedoch in der Praxis umgesetzt werden soll, weiß niemand genau.

HERZ News: Wenn wir zuletzt noch auf die Partnerschaft mit HIRSCH Porozell eingehen - wie würden Sie diese beschreiben?

Xenia Tichy: Die Partnerschaft besteht seit Jahrzehnten und funktioniert reibungslos. Man kennt unsere Anforderungen genau, die Qualität passt konstant - wir haben ein cooles Produkt gemeinsam gestaltet und sind sehr zufrieden.

HERZ News: Frau Tichy, vielen Dank für die offenen Einblicke hinter die Kulissen. Man spürt, wie viel Herzblut, Technik, Organisation und Familiengeschichte in diesem Betrieb stecken – und warum Tichy weit mehr als nur ein Eissalon ist.

HIRSCH Servo - Lösungen weit über die Gebäudetechnik hinaus

HIRSCH ist im Bereich Gebäudetechnik vor allem mit energieeffizienten Dämm- und Isolationslösungen für Boden, Wand und Dach sowie für Transportschutzverpackungen und technische Formteile bekannt. Neben Partikelschaum- und Fasergussformteilen entwickelt die HIRSCH Servo Gruppe auch energieeffiziente Maschinen und Technologien zur Verarbeitung von Partikelschäumen und setzt dabei verstärkt auf Ressourcenschonung, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Produktionsprozesse. Wie diese nachhaltige Kreislaufwirtschaft umgesetzt wird, zeigen wir Ihnen im Video: Kreislaufwirtschaft mit HIRSCH:Reeps

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